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07.04.2017

Regierung will Bummeln bei der Steuererklärung bestrafen

Für die Steuererklärung 2016 gilt die Frist zum 31.05.2017. Dabei ist folgende Änderung zu beachten

Wir schreiben das Jahr 1970. Im Kino spielt Heinz Erhard einen Finanzbeamten. Willi Winzig heißt der. Dieser Winzig lässt Akten verschwinden, um kleinen Steuersündern zu helfen. Es ist die Zeit, in der das Finanzamt ein Refugium für Liebhaber von Akten und Topfblumen ist und der Finanzbeamte ein Jäger. Seine Beute: Menschen, die mit Bewirtungsbelegen und Tankrechnungen schummeln oder privat gekaufte Krimis als Fachliteratur absetzen.
46 Jahre später sieht das Leben im Amt ganz anders aus. Die Sachbearbeiter sitzen hinter Computern und lesen die Steuererklärungen – wenn überhaupt. Denn im Massengeschäft mit Arbeitnehmern und Rentnern wird das meiste durchgwinkt. Nur ab und zu wird eine Erklärung herausgefischt und überprüft. Quittungen werden heute kaum noch kontrolliert. „Der Beleg gehört der Geschichte an“, sagt Eric Lausch. „Dafür ist keine Zeit“, weiß Lausch, der in der Verdi-Kommission für Steuern sitzt.

Das Durchwinken wird Gesetz

Nun will der Gesetzgeber das, was in den Ämtern längst Alltag ist, zum Gesetz machen. Nächsten Donnerstag verabschiedet der Bundestag das Steuermodernisierungsgesetz. Es soll die Steuerbürger dazu erziehen, ihre Steuererklärung künftig elektronisch mit dem „Elster“-System zu machen und nicht mehr auf Papier. Noch nutzen nämlich vor allem Steuerberater das elektronische System, die meisten Bürger füllen weiterhin lieber Kästchen auf Papier aus. Um das zu ändern, soll „Elster“ besser werden. Während man heute noch seine am Computer ausgefüllte „Elster-Erklärung“ wie zu Zeiten von Willi Winzig ausdrucken, unterschreiben und samt Belegen an das Finanzamt schicken muss, sollen Quittungen künftig zu Hause bleiben und nur noch auf Verlangen vorgelegt werden müssen. Zudem soll das Formular in Zukunft schon in vielen Teilen vorausgefüllt sein. Wer Steuernummer, Kontonummer oder Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr eingeben muss, ist schneller fertig. Insgesamt soll durch die Automatisierung erreicht werden, dass die „Durchlaufzeit“ eines Steuerantrags im Finanzamt von durchschnittlich 40 auf maximal zehn Tage verringert wird